So kurz vor dem Ende wurde ich noch auf die Verlobung von einer meiner lieblings Mitarbeiterinnen eingeladen. Jeba wohnt mit dem Bus etwa 3 Stunden von hier entfernt in einem kleinen Dorf. Von der Bushaltestelle war es noch nicht mal zu sehen und ich fragte den Conductor zur Sicherheit nocheinmal, ob ich hier auch richtig sei und in welche Richtung ich laufen muesse und watschelte drauf los. Es war dann auch nur 1 kilometer, auf dem ich aber schon von vorbeilaufenden Indern ganz interessiert begutachtet wurde. Eine
”Velakari” (Tamil fuer Weisse) in ihrem Dorf. Eine Sensation!! Am Ortseingang wurde ich gleich vom ersten Mann gefragt, wo ich hinwolle. “Engagement” wurde nicht verstanden aber “Jeba” fuehrte zur erhoften erleuchtung und er brachte mich durchs halbe Dorf (nicht sehr gross) zu Jeba. Von ihr wurde ich auch gleich lauthals begruesst (sie ist seeehr extrovertiert =). Ihr Familie hat im Dorf verteilt drei (sehr kleine) Haeusser. Ein neues, in bzw. vor dem auch die Verlobung statt fand, ein kleines steinhaus und ein Palmblaetter Haus, das zur Kueche dient. Jeba, ihre Schwester und ihre Mutter schlafen in dem einen, die drei Brueder und der Vater im neuen. Es hiess, das ganze fienge um 11 Uhr an. Als ich um 10.30 dort ankam war Jeba aber noch nicht mal geduscht und trug immer noch einen Nighty (eine Art Hauskleid der Inderinnen, sehr bequem ;-). Ich wurde in das kleine haus verfrachtet und der Fernseher wurde zu meiner Unterhaltung eingeschalten (egal, wie arm eine Familie ist, einen Fernseher gibt es). Zum Glueck hatte ich ein dickes Buch dabei und konnte so die 2 Stunden warten einigermassen und mit nur ein bischen Rueckenweh ertragen (2 stunden auf dem boden sitzen strengt an). Zwischendrinn kamen immer wieder verschiedene Dorfbewohne und Pfarrer um mich zu sehen, bzw. Anzustarren und mich in halb englisch halb Tamil ein bischen auszufragen oder Jeba ueber mich auszufragen und mich dabei fasziniert anzuschauen. Da ich mir aber vorgenommen hatte, mich dismal nicht davon nerven zu lassen, blieb ich sehr gelassen, las gemuetlich in meinem Buch und laechelte hin und wieder eine Inderin oder ein Kind an, was jedesmal Begeisterungsstuerme zur Folge hatte. Um 1 Uhr kam dann endlich die Nachricht, dass die Husband Family kurz vor dem Eintreffen war. Jeba hatte inzwischen auch einen Saree an und wir machten uns auf den Weg zum neuen Haus. Zuerst musste ich aber noch die Kirche von innen sehn. Diese ist, wie sol lich sagen, sehr indisch =). Knall Rosa gestrichen mit Glitzerschmuck und einem kitschicken, glaenzenden Plastik Kronlaeuchter. Um halb zwei ging dann auch endlich die Verlobung los. Das ganze fand vor dem Haus(bestehend aus zwei zimmern) statt. Die Frau und die Mann familie sassen sich gegenueber, in der Mitte die Oberhaeupter(glaube ich) und zwei Pfarrer. Jeba blieb im Haus und war ganz hibbelig. Die meiste Zeit war ich bei ihr oder beobachtete alles aus der Tuer raus. Zuerst wurde einmal eine ganze weile Diskutiert. Es ging hoch her. Mit meinem Bruchstueckhaften Tamil dachte ich erst es ginge um die Frage, warum die Kirche geld einsammelt. Aber irgendwann verstand auch ich, dass es um die ganzen Details der Hochzeit ging. Termin, wer was zahlt und wahrscheinlich auch Brautpreis. Als das fertig war und sich die erhitzten Gemueter wieder beruhigt hatten konnte die eigentliche Verlobungszeremonie beginnen. Es wurde gebeten und gesungen. Die Mann Familie brachte die Obligatorischen Geschenke auf verschiedenen Platten. Reis, Aepfel, Kokosnuesse, Zucker und Bananen, einen Verlobungssaree und Blumen fuer die Haare (Bei der Hochzeit gibts das gleiche nur einen Hochzeitssaree). Nach noch ein paar Ritualen durfte ich helfen, die Geschenke ins Haus zu tragen und Jeba tauschte ihren Saree mit dem Verlobungssaree. Das dauert dann immer etwas, es muss ja perfekt sitzen. Waehrenddessen half ich Schokolaedle unter den Gaesten zu verteilen (auch ein festes Ritual) und schlussendlich wurden auch mir Blumen ins Haar gesteckt, obwohl ich es bis dahin geschafft hatte mich erfolgreich dagegen zu wehren (ich mag den Geruch nicht und bin dagegen allergisch). Was sein muss, muss eben sein =)
Ja und dann war es so weit. Unter Applaus trat die Braut nach draussen und setzte sich ihrem Ehemann in Spe, namens Sudaher, gegenueber. Das war das erste mal, dass ich Jeba mit gesenktem Kopf und schuechtern gesehen habe. ABer ich glaube, dass auch das so vorgegeben ist und sie sich wahrscheinlich da noch nicht richtig angucken duerfen (ich musste bevor ich ins Dorf kam versprechen, niemandem zu erzaehlen,d ass Sudaher letzte woche hier ins Centre kam, um Jeba zu besuchen und sie jeden Abend telefonieren). Ja, dann gabs noch n Segen und das wars. Solche Veranstaltungen enden dann immer mit einem Essen fuer alle und Schluss ist. Das Essen war lecker aber etwas kompliziert. Als ich shcon die haelfte fertig hatte, fluesterte mir Jeba ins oh rich solle langsam tun, weil fuer mich noch extra Ei und Kartoffeln gemacht wuerden. Aber es half nichts, egal wie langsam ich ass, trotzdem war mein Bananenblatt nach einer Weile leer. Auf die hundert nachfragen, ob ich noch Reis wolle liess ich mir nochmal etwas auftun und dann kam auch endlich das Ei. Als ich das fertig hatte und auch wirklich, wirklich satt war, mein Bananenblatt bereits zusammengerollt und ich aufstehen wollte kam Jeba mit den Kartoffeln. Ja, und was tut man angesichts grosser besturzung und bitten undbetteln? Mir wurde also ein neues Bananenblatt vorgelegt und nochmal Reis (aber “conjum, conjum” Wenig,wenig) aufgetan. Mit Muehe schaffte ich auch das noch, zwang aber auch Jeba und ihren Sudaher etwas von den Kartoffeln zu nehmen, die inzwischen auch neben mir assen (uebrigens alles auf dem Boden).
Zurueck fuhr ich mit Sudahers familie, bis in die naechste statt, wo ich noch zwei sachen einkaufen wollte und von da mit dem Bus wieder zurueck.
Ich bin echt froh, dorthin gegangen zu sein. Es war schoen, einer Freundin bei ihrer Verlobung beizustehen und auch eingebunden zu werden (nicht blos attraktion zu sein, das aber schon auch). Ich fand es auch schoen zu sehen, dass Sudaher und Jeba schon ein klein bischen vertraut mit einander sind, was aus kleinen Gesten deutlich wurde. Ich hoffe wirklich, dass die zwei zusammen Glueck und vielleicht auch Liebe finden, das ist ja in indischen, arrangierten Ehen nicht unbedingt selbstverstaendlich.
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